Mich entscheiden

4. Advent: Mich entscheiden

Jeder von uns ist immer wieder eingeladen,

sich für Gott zu entscheiden. Das heißt,

bewusster leben und gegen den Strom der

Oberflächlichkeit und Passivität zu schwimmen.

 

Dieser Weg ist Befreiung und Widerstand zugleich.

Befreiung, in dem ich im Urvertrauen

in das Leben bestärkt werde.

Widerstand, indem ich mich wehre

gegen die Gleichgültigkeit

und mein Leben auf das Wesentliche ausrichte.

 

Das ist ein täglicher Prozess,

ein ständiges Unterwegssein,

ein Suchen und Finden.

Denn Christus bliebt der ganz Andere

und dennoch in Jesus Christus so nahe Gott.

Text: Pierre Stutz

Bild: Pfr. Ulrich Kloos (goldene Kuppel in der Kirche der Seligpreisungen am See Genesareth)

The Virgin today

Christus, das wahre Licht

Christus, das wahre Licht

Das „wahre Licht“ ist der, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt, wer zu mir kommt, wird nicht im Finstern umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben“. Wir alle brauchen das Licht des Lebens. Wir brauchen den, der unsere Finsternis erleuchtet. Besonders jetzt spüren wir: die Welt ist finster. Voller Gewalt und Unruhe, voller Unsicherheiten, ob wir die Flüchtlingskrise bewältigen werden, der Sorge um Arbeitsplätze, um innere Sicherheit, um die Klimaentwicklung. Die Weihnachtsbeleuchtung der Innenstädte, die Leuchtreklame in den Geschäften können dies nicht überdecken.

Da wurde einer Mensch

Da wurde einer Mensch, damit wir Mensch werden.

Da wurde einer Mensch und lehrte uns die Bedeutung

und die Würde der Menschen.   Aller Menschen, ohne Ausnahme.

Für ihn gibt es keine Auserwählten und Bevorzugten.

Bei ihm brauchen wir keine Empfehlungen und Beziehungen.

Für ihn sind wir wichtig.

 

Da wurde einer Mensch, damit wir Menschen werden.

Er säte durch sein Leben unter den kleinen Leuten

eine unbezwingbare Hoffnung.

Er kam nicht, um zu richten, sondern um aufzurichten.

Er kam, um zu heilen, woran auch einer leiden mochte.

Wo er war, fingen die Menschen an aufzuatmen.

Blinden gingen die Augen auf, Niedergedrückte wagten es,

sich aufzurichten; und sie konnten den Himmel sehen.

Die man mit Schuld belastet hatte, befreite er.

Er stand dafür ein mit seiner ganzen Autorität,

dass keiner umsonst gelebt und keiner umsonst gerufen hat.

Er gab allen einen Namen und sagte zu allen, die ihm zuhörten:

Keine Angst, es ist alles schon gerichtet: Es ist alles gut.

Er wurde zur guten Nachricht, zur Hoffnung, zur Zuversicht.

Text: Pater Laurent Mtaroni

Evangelium

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:
Es begann wie es bei dem Propheten Jesaja steht:
Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
Eine Stimme ruft in der Wüste:
Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
(Markus 1,1-4)

„Eine Stimme in der Wüste ruft: Bereitet dem Herrn den Weg.
In einer fremden Stadt angewiesen sein auf Hilfe, den Weg nicht kennen, einer muss einem den Weg zeigen.
Den Weg bereiten, einem sagen, wo es lang geht. Schwer genug für mich selber, den rechten Weg zu finden, mich an Weggabelengen zu entscheiden zwischen rechts und links.

Aber bei Gott, ihm einen Weg bereiten?
Gott haben wir doch sicher: im Katechismus, in klaren, eindeutigen Sätzen – zum Auswendiglernen. Gott wenigstens ist keine Variable; er ist eine feste Größe, unveränderlich, ein für alle Mal, stabil.
Aber ihm den Weg bereiten, heißt – erschreckend genug -, er steht nicht fest, er will ankommen bei mir, ist in Bewegung.
Ich habe ihn nicht fest (schon gar nicht zwischen zwei Buchdeckeln), er ist beweglicher als ich, beweglicher als ich denke. Gott ist dynamisch, nicht statisch. Gott ist Leben, nicht Tod.

(…)
Wege bereiten, das spricht für Bewegung, Entwicklung, Dynamik, das heißt herausführen aus der Wüste, das zeigt eine Richtung an.
Aber halt: Nicht wir gehen auf die Reise, sondern Gott. Nicht wir machen uns auf den Weg, sondern er. Nicht wir sind beweglich, sondern er.
Hoffentlich überrascht er uns nicht, wenn er kommt – am 24. Dezember oder sonst wann, mitten im Jahr, und wir sind gar nicht da, oder: Aus dem guten Vorsatz, ihm den Weg zu bereiten, ist nichts geworden – wieder einmal!“

Aus: Wolf, Hubert: Ankunft 24. Dezember.
Weihnachten entdecken, Darmstadt 2015, 56f.

Warten

So viele warten auf einen
auf einen kleinen Lichtblick,
auf einen Besuch oder ein Paket,
auf einen Brief oder eine Karte,
auf ein kleines Zeichen,
dass sie nicht vergessen sind.

 

Wer, wenn nicht du? Wann, wenn nicht jetzt?

Weihnachtslied

Weihnachtslied

Brich an du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht,
Der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten aus der Fern‘,
Es ist ein Schimmer, ist ein Stern,
Von dem ich längst gehöret.

Nun wird ein König aller Welt,
Von Ewigkeit zum Heil bestellt,
Ein zartes Kind geboren.
Der Teufel hat sein altes Recht
Am ganzen menschlichen Geschlecht
Verspielt schon und verloren.

Der Himmel ist jetzt nimmer weit,
Es naht die sel’ge Gotteszeit,
Der Freiheit und der Liebe.
Wohlauf, du frohe Christenheit!
Dass Jeder sich nach langem Streit
In Friedenswerken übe.

Ein ewig festes Liebesband
Hält jedes Haus und jedes Land
Und alle Welt umfangen,
Wir alle sind ein heil’ger Stamm,
Der Löwe spielet mit dem Lamm,
Das Kind am Nest der Schlangen.

Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind
Mit lächelnder Gebärde.
Wir grüßen dich du Sternenheld!
Willkommen Heiland aller Welt!
Willkommen auf der Erde!

Lied: Max von Schenkendorf (1783-1817)

Bild: frei nach pixabay.com

Christoph Esser

Advent – Eine Zeit der Vorbereitung

Der Advent ist eine Zeit der Vorbereitung. Das gilt für uns heute genauso wie für die Menschen zur Zeit Jesu. Doch im Gegensatz zu uns, die wir uns mit Adventskranz und –Kalender versuchen auf die Ankunft Jesu vorzubereiten, war es damals Johannes der Täufer, der dem schon erwachsenen Jesus den Weg bahnte und die Menschen sozusagen für ihn und seine Lehre bereit machte. Er ist somit auch nach wie vor für uns Wegweiser auf den der kommen wird: Jesus.

Mich ausrichten

Mich ausrichten

Mich ausrichten

mein Leben ordnen

dem Tag eine Struktur geben

in eine Regelmäßigkeit kommen

mich selbst begrenzen

meinem Leben einen Rahmen geben

um der Unberechenbarkeit Gottes

Raum zu geben

Durchkreuzen möglich machen

an der Radikalität nicht zerbrechen

an der Heimatlosigkeit nicht zu verzweifeln

Halt in der Unendlichkeit finden –

um mich nicht zu verlieren

wenn ich Gott finde

um mich zu finden

wenn ich mich in Gott verliere

Text: Andrea Schwarz

Bild: Pfr. Ulrich Kloos /Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem

Ikone von der Geburt Christi