Wir unterstützen Flüchtlinge auch in Wiblingen

Liebe Leserin, lieber Leser,

unter großen Gefahren versuchen viele Menschen nach Europa zu kommen. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Armut in ihren Heimatländern. Sie hoffen auf ein besseres Leben im reichen Europa. Und viele sterben für diesen Traum. Die Bilder und Nachrichten, die uns erreichen, sind erschütternd. Man sollte nicht mehr darüber diskutieren müssen, dass wir als reiche Gesellschaft dazu verpflichtet sind, diese Menschen aufzunehmen und ihnen dabei zu helfen, neue Lebensperspektiven zu entwickeln – auch in Wiblingen.

Doch obwohl der Stadtteil Wiblingen in der Vergangenheit schon viel Integrationsarbeit geleistet hat, gibt es Ressentiments und diffuse Ängste gegenüber Flüchtlingen auch hier. Konkret bezieht sich diese Angst auf das geplante Flüchtlingswohnheim in den Eschwiesen. Angst ist allerdings kein guter Ratgeber.

Als Christen aller Konfessionen empfangen wir unseren Auftrag aus der biblischen Tradition, die sich auch explizit der Flüchtlingsthematik widmet. Schon zu biblischen Zeiten gab es Flüchtlinge, die alles zurücklassen mussten und sich in eine ungewisse Zukunft aufmachten. Abraham und Sara flüchteten wegen einer Hungersnot nach Ägypten. Mose musste vor dem Pharao fliehen. Noomi verließ wegen einer Hungersnot ihre Heimat und floh mit ihrer Familie in das Land der Moabiter. Und von Jesus wird erzählt, dass er kurz nach seiner Geburt mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen musste, um den Soldaten des Herodes zu entkommen.

Das Asylrecht wird schon im Alten Testament klar formuliert: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen, wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19, 33+34).

Und im Neuen Testament war es Jesus, der sich den Menschen zuwandte, die am Rand der Gesellschaft standen. Die Solidarität mit den Bedürftigen hat er nicht nur selbst gelebt, sondern auch seinen Nachfolgern als Aufgabe hinterlassen, wenn er sagt: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habe, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40).

Die Frage ist also nicht, ob wir uns der Flüchtlinge annehmen sollen, sondern wie wir die Unterstützung gestalten, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen.

Bereits im November 2014 hat sich auf Initiative der Regionalen Planungsgruppe (RPG) hier in Wiblingen ein Arbeitskreis Flüchtlinge gegründet, in dem kommunale und kirchliche Vertreter gemeinsam überlegen, wie diese Unterstützung aussehen kann. Wir wollen dazu beitragen, dass sich Menschen auf der Flucht bei uns sicher und wohlfühlen können und dass durch ein gutes Zusammenleben vielleicht auch manche Angst und manches Ressentiment überwunden werden kann.

Pfarrer Friedemann Bauschert und   Pastoralreferent Christoph Esser

Foto: (IESM)_pixelio.de

PS: Wer Interesse hat im AK-Flüchtlinge mitzuarbeiten, möge sich im Pfarramt melden (T. 481567).