Stellungnahme des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Ulm / Neu-Ulm zum Raketenbeschuss auf Israel und zu den Angriffen auf Gaza

Stellungnahme des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Ulm / NeuUlm zum Raketenbeschuss auf Israel und zu den Angriffen auf Gaza

Jüdisches Leben unter Verweis auf die Politik des Staates Israel zu attackieren, ist eine antisemitische Straftat

Wir sehen und hören, wie in diesen Tagen viele Menschen in Israel unter dichtem Raketenbeschuss zu leiden haben. Sowohl jüdische als auch arabische Bürgerinnen und Bürger sind dieser permanenten Bedrohung ausgesetzt. Einmal mehr werden unbeteiligte Menschenzu Geiseln von Extremisten gemacht. Die Raketenangriffe auf ein haltloses Ultimatum hin, nehmen eine Ausweitung der Auseinandersetzung bewusst in Kauf. Welcher Staat der Welt könnte solche Angriffe hinnehmen, ohne sich dem Vorwurf aussetzen zu müssen, seine Bevölkerung egal welcher Religion sie zugehört schutzlos dem Terror auszuliefern?

Wir maßen uns nicht an, eine Lösung für die komplizierten Probleme und den tiefen Konflikt zwischen dem Staat Israel und dem Palästinensischen Volk zu kennen. Die Abkommen der letzten Zeit zwischen Israel und Staaten der arabischen Welt sehen wir als Zeichen der Hoffnung wenn es denn gelingt, auch die palästinensische Seite in diesen Prozess der gegenseitigen Anerkennung und Annäherung miteinzubeziehen.

Die aktuelle Eskalation beunruhigt uns. Ebenso beunruhigen uns antisemitische Proteste vor Synagogen in deutschen Städten. In aller Schärfe verurteilen wir alle Versuche, jüdische Bürgerinnen und Bürgerunseres Landes, aber auch jüdische Gemeinden und Synagogen anzugreifen. Auch hier in Ulm. Jüdische Menschen und Gemeinden weltweit unter Verweis auf diePolitik des Staates Israel zu attackieren, ist eine antisemitische Straftat, der mit allen Mitteln des Rechtsstaats entgegenzutreten ist.

Als Vertreter der Kirchen in Ulm und NeuUlm wollen wir unsere uneingeschränkte Solidarität mit den jüdischen Gemeinden zeigenund bitten, in den Gottesdiensten für den Frieden zu beten. Ein Gebet ist dieser Stellungnahme beigefügt.

Ulm, 14.05.2021 Dekan ErnstWilhelm Gohl

Dekan Ulrich Kloos

Dekan Jürgen Pommer

 

Gebet:

Du Gott, der Gerechtigkeit will und Barmherzigkeit übt:Erschüttert sind wir angesichts der Nachrichten und Bilder aus Jerusalem, aus Israel, aus dem Gazastreifen.Spannungen entladen sich in terroristischen Angriffen und massiven militärischen Schlägen.

Wir sehen Menschen, voller Angst, verletzt und getötet; Kinder und alte Menschen, Soldaten und Zivilisten, Juden, Christen und Muslime verstrickt in einem unlösbaren Konflikt.

Wir kommen zu dir und befehlen in deine Hand die Menschen in Israel Juden, Muslime und Christen die in diesen Tagen in Angst leben und um ihr Leben und das ihrer Lieben bangen.Du willst den glimmenden Docht nicht auslöschen.

Sei Du bei den Waisen und Witwen,und bei allen, die den Wellen der Angst, der Trauer, der Wut und des Hasses hilflosausgeliefert sind.

Wir hoffen auf deinen Heiligen Geistes, der sich nicht mit den Verhältnissen abfindet, der Menschen davon befreit, die Schuld immer nur beim Gegner zu suchen.Wo wir keine Perspektiven sehen, wo Gegner in Feindschaft gefangen sind öffne Du Augen und Herzen zur Erkenntnis Deines Willens auch in Zeiten des Streits, der Konfrontation und der Gewalt.

Segne die Anfänge der Versöhnung zwischen Israel und der arabischen Welt, dass sie Früchte des Friedens bringen auch für das palästinensische Volk.

Hilf uns, Antisemitismus entgegenzutreten, wo er uns in Wort und Tat begegnet auch in diesen Tagen, wo Synagogen und jüdische Gemeinden in unserem Land und unserer Stadt Ziel von Angriffen werden; schütze und behüte unsere jüdischen Geschwister. Amen